Schematische Darstellung von Oberschenkelgefäßen und Muskulatur

Übertraining: Zu starke Muskeln schwächen Durchblutung

Ein 50-jähriger langjähriger Leistungssportler, der zwei bis drei Marathonläufe im Jahr absolviert, klagt über Brennen im Bereich des linken Beines. Die Symptome treten bereits seit zwei Jahren und immer nach Belastung auf. Orthopädische Behandlungen haben keine Linderung der Beschwerden gebracht.

Seltenes Entrapment

Bei der Untersuchung mit der Farbduplexsonographie zeigt sich eine kritische Durchblutungsstörung des linken Beines. Diese Entrapment genannte Komplikation tritt in seltenen Fällen bei Leistungssportlern auf. Es handelt sich um ein Engpasssyndrom.

Erfolgreiche Notfall-OP

Aufgrund der Schwere des Befundes erfolgt eine sofortige Verlegung in die stationäre Angiologie (Abteilung für Gefässmedizin). Die Untersuchung dort offenbart einen kompletten Verschluss aller linken Beinarterien.

Ursache ist eine – am ehesten durch den Laufsport bedingte – erhebliche und außergewöhnliche Verdickung des Muskelstranges im Bein, die auf die Oberschenkelarterie drückt und so den Blutfluss stark hemmt.

In einer sehr komplexen Notfall-OP wird der einengende Muskelstrang teilweise chirurgisch durchtrennt, um wieder eine gesunde Durchblutung zu ermöglichen, die Funktion bleibt dabei erhalten. Zudem werden Blutgerinsel entfernt, ein Bypass gelegt und Blutverdünner lokal gegeben. Mit gutem Ergebnis: Das Bein wird gerettet.

Mittlerweile ist der Patient vollständig genesen und kann wieder joggen.

Sportmedizin: Weiterführende Diagnose sinnvoll

Dieser Fall zeigt, dass es bei andauernden Beschwerden sinnvoll ist, weiterführende sportmedizinische Untersuchungen durchzuführen. So können auch seltene Komplikationen entdeckt werden. Ferner illustriert der dargestellte Fall, dass es immer wichtig ist, nicht nur gezielt eine Muskelgruppe übermäßig zu trainineren, sondern alle Muskelgruppen ins Training miteinzubeziehen.

Dr. med. Jörg Lauprecht

Praxis für Herz- und Sportmedizin

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